Stadt- und RaumentwicklungLEHRE
PROJEKT LANG | MEHR IST WENIGER

PROJEKT LANG | MEHR IST WENIGER

STRATEGIEN FÜR NACHHALTIGES STADTWACHSTUM

Unsere Städte befinden sich in einem sozial-ökologischen Dilemma. Auf der einen Seite fehlt es ihnen an bezahlbarem Wohnraum. Schätzungsweise 1,5 Millionen Wohnungen werden in Deutschland benötigt, besonders in den Ballungszentren und vor allem für Haushalte mit geringem und mittlerem Einkommen. Wenn dieses Problem nicht gelöst werden, könnte es zu einer ernsthaften Gefahr für den sozialen Frieden in unseren Städten werden. Die Bundesregierung hat darum das Ziel ausgegeben, 400.000 neue Wohneinheiten pro Jahr zu bauen1 – so viel wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Auf der anderen Seite wächst das Bewusstsein für die ökologische Bedeutung des Bauens und Wohnens. Rund 40% der bundesweiten CO2-Emissionen gehen auf das Konto der privaten Haushalte. Außerdem ist der Wohnungsbau maßgeblich für die fortschreitende Versiegelung von Grund und Boden verantwortlich, den man gerade in den dicht bebauten Städten für begrünte Erholungsräume und für die Versickerung von Regenwasser benötigt. Aus diesen Gründen hat die Politik ehrgeizige Umweltziele für den Bausektor formuliert: Bis 2050 sollen die klimaschädlichen Emissionen von Gebäuden auf ein Minimum gesenkt werden.2 Die täglich neu versiegelte Fläche soll von 54 ha (2020) auf 0 gebracht werden.3

Aber wie passt das zusammen: 400.000 neue Wohnungen auf der einen Seite und die ehrgeizige Umweltziele auf der anderen Seite? Eine überzeugende Antwort auf diese Frage gibt es bisher nicht. Klar ist nur, dass wir die Art und Weise, wie wir bisher gebaut und gewohnt haben, radikal in Frage stellen müssen. Und genau das wollen wir in diesem Semester tun. Am Beispiel eines Berliner Stadtquartiers, wo der Wohnungsmangel und die Umweltprobleme besonders drängen, werden wir den Ernstfall testen: Wir werden versuchen, den prognostizierten Bedarf an neuem Wohnraum zu schaffen, aber die Folgen für Umwelt und Klima so gering wie möglich zu halten. Damit das geht, sind intelligente und radikale Konzepte gefragt.

1. Bundesregierung: Mehr bezahlbare und klimagerechte Wohnungen schaffen, https://www.bundesregierung.de
2. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Energieeffizienzstrategie Gebäude. Wege zu einem nahezu klimaneutralen Gebäudebestand, 2014, https://www.bmwk.de

3. Bundesumweltamt: Siedlungs- und Verkehrsfläche, www.umweltbundesamt.de

 

 

Termine
Betreuung: mittwochs 11-14 Uhr

Exkursion nach Berlin: 05.-08.11.2022

Lehrpersonen
Prof. Tim Rieniets
Alkistis Thomidou
Ines Dobosic
Carolin Kuhn