Forschungsprojekt | Q-LCA. Analyse der ökologischen Auswirkungen unterschiedlicher Siedlungsstrukturen in Neubauquartieren über ihren Lebenszyklus
Wie sich der Primärenergiebedarf beim Betrieb von Gebäuden senken lässt, ist bereits hinreichend erforscht und erprobt worden. Auch die Graue Energie, die bei der Herstellung von Gebäuden einschließlich der vorgelagerten Produktionsprozesse entsteht, ist inzwischen gut erforscht. Auch stehen dem Gebäudesektor ausgereifte Instrumente zur Verfügung, um die ökologischen Auswirkungen von Gebäuden, gemessen über ihren gesamten Lebenszyklus (Produktion, Erstellung, Betrieb), bilanzieren zu können. Anders sieht es im Bereich des Städtebaus aus. Obwohl bei der Planung von Siedlungen oder Stadtquartieren weitreichende und langfristig wirksame Entscheidungen getroffen werden, steht hier kein vergleichbares Verfahren zur Verfügung, mit dessen Hilfe die ökologischen Auswirkungen ganzer Siedlungszusammenhänge über deren gesamten Lebenszyklus berechnet werden können. Mit dem Ziel, diese Lücke zu schließen, haben die Leibniz Universität Hannover und die Fachhochschule Potsdam ein Bilanzierungsmodell für eine quartiersbezogene Lebenszyklusanalyse entwickelt (Q-LCA).
Methodisch unterschiedet sich Q-LCA von herkömmlichen Bilanzierungsmodellen einerseits durch die große Anzahl an Einflussfaktoren, die zur Bilanzierung von Siedlungen eingesetzt werden. Neben der Konstruktion und der Heizwärmeversorgung der einzelnen Gebäude bezieht das Modell auch Bebauungstypen, Erschließungstypen (Straßen + Kanalisation) und die bauliche Dichte der Siedlung mit ein. Der zweite Unterschied liegt in der Erfassung von Materialmengen. Für diesen Zweck wurden 54 Siedlungssegmente entwickelt, in denen die oben genannten Einflussfaktoren unterschiedlich stark gewichtet werden können. Insgesamt ließen sich damit 972 Varianten erzeugen.
Diese Siedlungssegmente stellen die kleinsten Einheiten dar (100 x 100 Meter), die mit Q-LCA bilanziert werden können. Sie lassen sich beliebig zu größeren Siedlungszusammenhängen kombinieren, so dass auf diese Weise verschiedenste Siedlungen – sowohl existierende als auch geplante – annäherungsweise nachgebildet und bilanziert werden können.
Aus methodischen Gründen beschränkte sich das Projekt Q-LCA auf die Bilanzierung von Neubauquartieren. Das Folgeprojekt BQ-LCA weitete den Forschungsgegenstand auf die Bilanzierung der Transformation von Bestandssiedlungen aus.
- Prytula, M.; Rieniets, T.; Rosenberger, J.; Hack, J.; Stallmann, L.; Gebhardt, N., 2025: Q-LCA: Analyse der ökologischen Auswirkungen unterschiedlicher Siedlungstypen in Neubauquartieren über ihren Lebenszyklus. BBSR-Online-Publikation 51/2025. Bonn. hier
- Rieniets, T., Rosenberger, J., Prytula, M., Hack, J., 2025: Q-LCA. Städtebauliche Merkmale einer klimaorientierten Quartiersplanung. hier
In Zusammenarbeit mit: Fachhochschule Potsdam
Beauftragt durch: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)
Laufzeit: 2022 – 2024